"Die Entscheidung ist gefallen: "Brigitte" holt mit der Heftnummer 21/12, erscheint am 19. September, wieder professionelle Models zurück ins Magazin. "Ohne Models" werde aber nicht abgeschafft, vielmehr werde "Brigitte" einen Mix aus Foto-Produktionen mit professionellen Models und Laien-Models präsentieren, beschwichtigt der Verlag Gruner + Jahr.
Brigitte Huber und Stephan Schäfer, Chefredakteure "Brigitte", erklären im Editorial zu Heft 21/12, wie es zu dem Schritt kam. Negative Reaktionen der Leserinnen würden dabei die Hauptrolle spielen. Diese fühlten sich durch die schönen, "ganz normalen Frauen" unter Druck gesetzt. Von "Minderwertigkeitskomplexen" ist die Rede.
"Liebe Leserin, lieber Leser, seit fast drei Jahren arbeiten wir bei ‘Brigitte’ ausschließlichohne professionelle Models. Eine Initiative, die uns bei Ihnen viel Aufmerksamkeit und Anerkennung gebracht hat. Bis heute haben wir mehr als 1.000 Frauen in Mode- und Beauty-Fotoproduktionen in Szene gesetzt, ob Sängerin oder Hausfrau, Polizistin oder Studentin, ob18 oder 68 Jahre alt. Wir wollten der Schönheit die Natürlichkeit zurückgeben – und zeigen: Attraktivität hat viele Gesichter. Das ist uns, wie wir glauben, gut gelungen. Nun ist es Zeit, mal wieder Bilanz zu ziehen. Viele von Ihnen sagten in letzter Zeit: ‘Die Idee ist ja gut, aber manchmal will man einfach nur die Mode sehen.’ Oder: ‘Ich fühle mich manchmal von der Mode abgelenkt, wenn eine ganz normale Frau gezeigt wird. Und, ja, auch unter Druck gesetzt: Wenn die Frau von der Straße auf den Fotos in ‘Brigitte’ schon so schön aussieht, das macht einem ja Minderwertigkeitskomplexe…’ Ab diesem Heft werden wir immer dann mit professionellen Models arbeiten, wenn wir glauben, dass es für ein Thema oder auch das Titelbild besser passt. Für mehr Vielfalt in ‘Brigitte’. Eines versprechen wir Ihnen: Size-Zero-Figuren werden Sie weiterhin nicht zusehen bekommen. Und natürlich werden wir auch weiterhin wunderbare Frauen suchen, finden – und fotografieren. Wie in diesem Heft […]. Falls Sie sich auch bewerben wollen: www.brigitte.de/ohne-models. Wir freuen uns auf Sie!"
Hintergrund: Die "Süddeutsche Zeitung" hatte bereits am Montag darüber berichtet, dass die neue "Brigitte"-Spitzer Huber/Schäfer die "Ohne Models"-Aktion überdenken würde (kress.de vom 3. September 2012). Als Grund nannte die Zeitung die redaktionell sehr aufwendige Arbeit mit "normalen Frauen". Die Redaktion müsse zum Beispiel ohne die Hilfe von Agenturen passende Frauen finden und auswählen, auch die Fotoshootings sollen sehr arbeitsintensiv sein. Dazu erhielten die Hobby-Models "vergleichbare Honorare" wie Profis.
Die 14-tägig erscheinende "Brigitte" erreicht eine verkaufte Auflage von durchschnittlich 601.696 Exemplaren (IVW II/2012).
von Marc Bartl